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05.02.2019

KAB beschäftigt sich mit der Digitalisierung der Arbeitswelt

Zu einem Studientag hatte das KAB Bildungswerk Passau e.V. nach Eggenfelden ins ehemalige Franziskanerkloster eingeladen. Die Teilnehmer beschäftigten, wie die Digitalisierung menschenwürdig gestaltet werden kann.

Seit dem Diözesantag der Katholischen Arbeitnehmer Bewegung (KAB) im Diözesanverband Passau, im Juli 2018, steht „Digitalisierung in der Arbeitswelt“ an erster Stelle der Verbandsthemen. Dazu hat nun das verbandseigene Bildungswerk einen Studientag organisiert im ehemaligen Franziskanerkloster in Eggenfelden. Mit dem Soziologen und Berater für digitale Innovation, Dr. Christoph Schneider aus Karlsruhe hatte KAB-Bildungswerk-Geschäftsführer Andreas Wachter aus Altötting einen kompetenten und kreativen Fachmann gewonnen, der die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus verschiedenen KAB Gremien und Interessierten das Thema näherbrachte. In einem ersten Schritt erläuterte Dr. Schneider den Wandel in der Arbeitswelt von der landwirtschaftlich geprägten Gesellschaft zum heutigen Einstieg in das digitale System, das alle bisher bekannten technischen Entwicklungen in den Schatten stellt. Er stellt den digitalen Informationsraum als neuen gesellschaftlichen Handlungsraum vor und erklärte, wie Steuerungstechnologien und Medientechnologie, interagieren und zusammenarbeiten. Dieses System nenne man auch die künstliche Intelligenz, weil die beiden Systeme so programmiert seien, dass sie aus den Handlungsschritten lernen und sich selbst weiterentwickeln. Ein Beispiel sei BMW, in deren Werk in Regensburg Zulieferroboter durch die Hallen fahren, schwere Teile transportieren und den schnellsten und hinderungsfreiesten Weg zur Abnahmestelle selbst berechnen und auswählen. Im alltäglichen Leben gebe es eine große digitale Ungleichheit, so Schneider, weil die Nutzung nach Alter, Einkommen und Religion sehr unterschiedlich sei. Zudem gebe es eine hohe Gestaltungsmacht der technologischen Eliten und damit auch die Gestaltung der sozialen Realitäten. Die starke Abhängigkeit der Nutzerinnen und Nutzer sei eine zusätzliche Herausforderung, weil einzelne aber auch Firmen und Organisationen ohne die digitale Nutzung nicht mehr agieren können bzw. wollen. Dr. Schneider nannte drei Bereiche, die die Chancen und Konflikte durch den digitalen Wandel aufzeigen. Einmal beobachte man die Entgrenzung digitaler Arbeit, durch eine ständige und örtlich ungebundene Erreichbarkeit der Beschäftigten und durch die zunehmende Nutzung und Angebote von Homeoffices, mit der Folge auch von gravierenden Veränderungen in der Sozialversicherung. Weiter seien neue Organisationsformen z.B. bei der Online-Zimmervermietung oder bei Taxiunternehmen erfolgreich auf dem Markt unterwegs. Sorgen bereite der dritte Bereich, die Automatisierung, weil dadurch Massenarbeitslosigkeit drohe. „Noch leben wir“, so Schneider, „mit einer sehr hohen Zahl sozialversicherungspflichtiger Arbeitsplätze“, er gehe aber davon aus, dass der Zenit erreicht sei und in den nächsten Jahren die Automatisierung durchgreife und die verlorenen Arbeitsplätze nicht mehr aufgefangen werden können. Dr. Schneider sah auch einen zunehmenden Druck in der Arbeitswelt, was dazu führe, dass viele Menschen gut verdienen, aber dennoch unzufrieden sind, weil die Freude und der Sinn in und an der Arbeit zunehmen schwinden würden. Arbeiten im digitalen Zeitalter werde schneller. Mittels Algorithmen ist die Kontrolle der Arbeitenden leichter machbar und wird auch genutzt. Menschen sollen sich dem Takt und Rhythmus der Maschinen anpassen und dadurch werde eine zunehmende Verdrängung in sinnentstellte und schlechter bezahlte Arbeit stattfinden. In einer Abschlussrunde diskutierten die Teilnehmer die Alternativen, die es ermöglichen, in den digitalen Entwicklungsprozess die sozialen Parameter zu verankern. Die KAB sah die Einführung einer 4-Tage-Woche und die Reduzierung der wöchentlichen Arbeitszeit als Möglichkeiten den Wandel zu gestalten. In einem Katalog der Utopien kann sich die KAB ein Grundeinkommen vorstellen, fordert die intensivere Besteuerung der Technologie und des Kapitals und erwartet einen signifikanten Wandel der Technologie für das Gemeinwohl. Notwendig sind für die KAB auch neue Leitwerte jenseits von Wirtschaftswachstum und Lohnarbeitskarrieren und dafür ein Wachstum in „sinnvoll empfundenen Tätigkeiten und Organisationen“, z.B. in Genossenschaften. Diese Themen werden in den kommenden Monaten die Tagesordnung der Zusammenkünfte auf Diözesanebene bestimmen, sagte Diözesanpräses Franz Schollerer abschließend, und dankte zusammen mit Diözesanvorsitzendem Karl Zitzlsperger, dem Referenten für den intensiven Bildungstag, Geschäftsführer Andreas Wachter, für die gute Organisation und den Teilnehmerinnen und Teilnehmern für die engagierte Mitarbeit.

KAB-Bildungswerk-Geschäftsführer Andreas Wachter, Dr. Christoph Schneider (4. von links), Diözesanpräses Franz Schollerer 6. von links) und Diözesanvorsitzender Karl Zitzlsperger (7. von links) beim Gruppenbild vor den erarbeiteten Ergebnissen der Tagung

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