65 Jahre KAB Bildungswerk: „Glück auf!“ – Kraftvolle Energie in Graphit

Eintauchen in die Welt der Bergmänner im Besucherbergwerk Kropfmühl

„Glück auf!“ – mit diesem traditionellen Bergmannsgruß begann eine eindrucksvolle Reise tief unter die Erde. Kropfmühl tauchten die großen und kleinen Besucherinnen und Besucher in die faszinierende Welt des Graphits und der Bergleute ein. 222 Stufen führten 45 Meter hinab in die Tiefe – dorthin, wo über Jahrzehnte hinweg Bergleute unter schwierigen Bedingungen den wertvollen Rohstoff aus dem Bayerischen Wald gewinnen.
Schon zu Beginn der Führung, die im Rahmen des 65-jährigen Jubiläums des KAB Bildungswerkes in der Diözese Passau e. V. stattfand, wurde deutlich: Graphit ist weit mehr als das schwarze Material im Bleistift. Jeder trägt Graphit gewissermaßen bei sich – denn der Rohstoff steckt unter anderem in Akkus von Mobiltelefonen und Elektroautos. Auch in Bremsen, im Hausbau und in zahlreichen modernen wie traditionellen Produkten findet Graphit Verwendung.

Ein Rohstoff mit einer Millionen Jahre alten Geschichte

Zum Einstieg vermittelte ein Film die Entstehungsgeschichte des Graphits. Vor rund 500 Millionen Jahren entstand der Rohstoff tief im Erdinneren. Die Graphitlagerstätten lagen einst etwa zehn Kilometer unter der Erdoberfläche.
Im 19. Jahrhundert wurde eines der größten Graphitvorkommen Deutschlands im Bayerischen Wald eher zufällig entdeckt: Bei der Entwurzelung eines Baumes stießen die Menschen auf das auffällige „schwarze Zeug“. Die Bauern der Region begannen daraufhin, das Graphit selbst zu vermarkten. Einige von ihnen gelangten damit zu beachtlichem Wohlstand und wurden bald als „Millionenbauern“ bezeichnet.
Ab etwa 1870 begann in Kropfmühl der industrielle Abbau. Tausende Bergleute fuhren seither in die Tiefe und arbeiteten unter Tage an einem weit verzweigten Streckennetz, das insgesamt rund 100 Kilometer umfasst. Die Temperaturen unter Tage liegen bei etwa zehn bis zwölf Grad – unabhängig davon, wie warm es draußen ist. Ein harter Knochenjob in totaler Finsternis, der Mut, Ausdauer und Kraft von den Bergmännern verlangt. So mancher der Teilnehmenden war beeindruckt, was der eigene Vater oder Großvater hier geleistet hat.

Meter für Meter durch das Gestein

Die Arbeit der Bergleute war körperlich anspruchsvoll und nicht ungefährlich. Mit Sprengstoff wurde sich Meter für Meter durch das Gestein vorgearbeitet. Wenn eine Sprengung bevorstand, ertönte der Warnruf „Es brennt!“. Auch heute ist das Sprengen ein wichtiger Bestandteil des Bergbaus. Dafür braucht es erfahrene Sprengmeister – denn Sprengen ist eine Kunst, bei der Erfahrung, Präzision und großes Verantwortungsbewusstsein gefragt sind.
Während der Führung erhielten die Teilnehmenden auch einen Graphitklumpen zum Anfassen. Dabei konnten sie die charakteristische, glänzende Oberfläche des Minerals selbst entdecken. Graphit besteht – ebenso wie Diamant – aus Kohlenstoff. Beide Mineralien sind sogenannte Modifikationen desselben chemischen Elements und unterscheiden sich vor allem durch ihre unterschiedliche Struktur.

Eine weitere Überraschung: Im „Bleistift“ steckt kein Blei. Die Mine besteht im Wesentlichen aus Graphit und Ton. Je nach Mischungsverhältnis entstehen unterschiedliche Härtegrade.

Graphit ist nicht gleich Graphit

Wie vielfältig der Rohstoff ist, zeigte eine weitere Erkenntnis aus der Führung: Graphit ist nicht gleich Graphit. Es gibt rund 200 verschiedene Sorten, die sich in ihren Eigenschaften und Einsatzmöglichkeiten unterscheiden.
Das in Kropfmühl gewonnene Graphit wird vor Ort aufbereitet und weltweit vermarktet. Dabei spielt auch die Art der Gewinnung eine Rolle: Graphit aus dem Untertagebau ist aufwendiger und damit teurer als Graphit aus einem Tagebau. Gehandelt wird der Rohstoff in Tonnen – ein Hinweis darauf, welche Bedeutung Graphit auch als industrieller Rohstoff besitzt.

Bergbau aus erster Hand

Besonders eindrucksvoll wurde die Führung durch die persönlichen Erfahrungen von Bergmannsführer Johann Fast, gekleidet in traditioneller Bergmannskluft. Seit 1989 ist er im Bergbau in Kropfmühl tätig und kennt die Arbeit unter Tage aus eigener Erfahrung. Mit viel Wissen und anschaulichen Geschichten vermittelte er den Besucherinnen und Besuchern, was es bedeutet, im Bergwerk zu arbeiten.

Dabei wurde auch die Entwicklung der Arbeitsbedingungen deutlich. Früher war die Arbeit unter Tage erheblich gesundheitsgefährdender. Staublunge gehörte zum Berufsrisiko. Heute sorgen moderne Arbeitsweisen und verbesserte Schutzmaßnahmen dafür, dass es seit vielen Jahren keine vergleichbare Staubbelastung mehr gibt.
Sicherheit hat unter Tage oberste Priorität. Jeder Bergmann führt ein persönliches Selbstrettungsgerät mit sich – einen kleinen „Kasten“, der im Notfall das Überleben sichern kann. Außerdem gilt: Alleine wird unter Tage nicht gearbeitet. Mindestens zwei Personen müssen gemeinsam unterwegs sein.

„Kannst du des amoi mocha?“

Dass eine solche Führung besonders für Kinder spannend ist, zeigte sich immer wieder. Neugierig verfolgten sie die Erklärungen des erfahrenen Bergmanns und wollten natürlich nicht nur zuhören, sondern selbst sehen, wie die Technik funktioniert: „Kannst du des amoi mocha?“ – eine Frage, der sich Johann Fürst gerne stellte.
So wurde aus der Führung weit mehr als ein Blick in ein altes Bergwerk. Die Besucher erhielten einen unmittelbaren Eindruck von der Arbeit der Bergleute, erfuhren Wissenswertes über einen außergewöhnlichen Rohstoff und konnten erleben, welche Bedeutung Graphit bis heute besitzt.

Heilige Barbara in der Finsternis

Tief unten im Stollen in der Finsternis stieß die Gruppe auf die angestrahlte Heilige Barbara. Sie wird von den Bergleuten als Schutzpatronin verehrt. Die Verehrung der Heiligen Barbara und die damit verbundenen Traditionen rund um den 4. Dezember sind ein wesentlicher Bestandteil der Bergmannskultur und zeigen die emotionale Bindung der Bergleute zu ihrem Beruf und ihrer Religion.

Nach 222 Stufen und 45 Metern unter der Erde ging es schließlich wieder zurück ans Tageslicht. Zurück blieb vor allem ein Eindruck: Graphit ist ein unscheinbarer, aber äußerst wertvoller Rohstoff – und die Geschichte seiner Gewinnung in Kropfmühl ist eng mit der Geschichte und den Menschen des Bayerischen Waldes und damit mir ihrer Heimat verbunden. Glück auf!

>>>Text und Bilder Monika Wagmann

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