KAB auf den Spuren der Heimat- und Unternehmensphilosophie der Lindner Group

„Erfolg vermehrt sich, wenn man es teilt“ – dieser Satz zog sich wie ein roter Faden durch den Besuch der KAB bei der Lindner Group und spiegelte zugleich viele Gedanken der katholischen Soziallehre wider.

Die Exkursion fand im Rahmen des 65-jährigen Jubiläums des KAB-Bildungswerks unter dem Thema „65 Jahre Bildungswerk: Ein Brückenbauer – Heimat verbindet und bewegt“ statt. Unter der Überschrift „Lindner Group Arnstorf: Ein Familienunternehmen schafft Heimat“ standen besonders die Fragen im Mittelpunkt: Was bedeutet Heimat? Wie können wirtschaftlicher Erfolg, regionale Verwurzelung und menschliche Nähe miteinander verbunden werden? Die Teilnehmenden mit der Organisatorin der Veranstaltung, KAB Diözesansekretärin von Rottal-Inn, Monika Wagmann, erhielten dazu spannende neue Einblicke und Perspektiven.

Gerade in der gelebten Unternehmenskultur wurde deutlich, warum sich hier viele Grundgedanken der katholischen Soziallehre wiederfinden. Der Mensch steht im Mittelpunkt – nicht allein Gewinn und Wachstum. Werte wie Personalität, Solidarität und Verantwortung prägen das Unternehmen sichtbar. Mitarbeitende werden nicht nur als Arbeitskräfte betrachtet, sondern als Menschen mit Fähigkeiten, Talenten und Entwicklungsmöglichkeiten. Die Förderung der eigenen Beschäftigten, die Offenheit der Führungskräfte, die soziale Verantwortung für Familien, ältere Menschen und Bedürftige sowie das nachhaltige Handeln für kommende Generationen zeigen, wie wirtschaftlicher Erfolg und gesellschaftliche Verantwortung miteinander verbunden werden können. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erhielten spannende Einblicke in ein Familienunternehmen, das seit rund 60 Jahren besteht und sich von einem kleinen Ein-Mann-Betrieb zu einem weltweit tätigen Unternehmen mit rund 8.000 Mitarbeitenden an über 40 Standorten entwickelt hat. „In jedem Gebäude steckt ganz viel Lindner drin“, wurde dabei deutlich.

Empfangen wurde die Gruppe von Elisabeth und Stephanie Lindner, die von der Geschichte des Unternehmens und den Anfängen ihres Vaters berichteten. Bis heute wird die Firma stark von der Familie geprägt: Die vier Töchter arbeiten gemeinsam mit ihren Ehemännern im Führungsteam mit. Viele Mitarbeitende sind dem Unternehmen bereits seit Jahrzehnten verbunden. Besonders beeindruckte die gelebte Unternehmensphilosophie. „Fremde“ Manager würden bewusst nicht eingestellt. Stattdessen setze man auf die eigenen Mitarbeitenden: Wer bei Lindner seine Ausbildung absolviert, könne mit Einsatz und Engagement viel erreichen. Der Weg führe „von unten nach oben“. Auch Firmengründer Hans Lindner habe trotz seines Alters noch immer „ein Auge auf den Betrieb“.

Die familiäre Atmosphäre zeige sich auch in vielen sozialen Angeboten. So stehen den Mitarbeitenden unter anderem 13 Ferienhäuser für den Urlaub zur Verfügung. Entscheidungen würden vielfach gemeinsam innerhalb der Familie abgestimmt. Der „Geist von Lindner“ sei schon früh weitergegeben worden: „Wir sind früher als Kinder jeden Samstag mit Papa in die Firma gefahren“, erzählten die Schwestern. Jede von ihnen habe heute ihren eigenen, passenden Aufgabenbereich im Unternehmen gefunden.

Im Mittelpunkt der Firmenphilosophie stehen die Mitarbeitenden. „Unsere Mitarbeiter sind das Fundament, auf das wir bauen“, lautet ein zentraler Grundsatz der Lindner Group. Nicht Maschinen oder Anlagen allein seien entscheidend, sondern die Menschen mit ihren Ideen, Fähigkeiten und Innovationen. Aufgabe der Führungskräfte und Teams sei es, Talente zu erkennen, Potenziale zu fördern und die Fähigkeiten der Mitarbeitenden zur Entfaltung zu bringen. Dabei werde großer Wert auf Offenheit gelegt: Lob und Kritik seien ausdrücklich erwünscht, denn nur durch ehrliche Rückmeldungen könne man sich weiterentwickeln und ein gerechtes Urteil bilden.

Doch Lindner ist weit mehr als ein Bauunternehmen. Neben Industrieisolierung und Fassadenbau gehören auch Gastronomie und Hotellerie, die Biolandwirtschaft „Land.Luft“, eine Stiftung zur Förderung von Jugend- und Bildungsprojekten, die Unterstützung von Existenzgründern, die Arnstorfer Tafel sowie das Parkwohnstift für ältere Menschen zum Unternehmen. In rund 30 verschiedenen Berufen bildet die Firma junge Menschen aus.

Sätze wie „Können, Fleiß und Glück“ oder „Es geht von der Vision zum fertiggestellten Projekt“ prägen die Firmenkultur ebenso wie die Überzeugung: „Geht es der Firma gut, geht es auch den Mitarbeitenden gut.“ Offenheit werde dabei großgeschrieben: „Die Türen der Führungskräfte stehen stets offen.“ Hier werden Werte gelebt – die Verbindung von wirtschaftlichem Erfolg mit regionaler Verwurzelung und menschlicher Nähe wurde für die Besucherinnen und Besucher spürbar. Ebenso spielt nachhaltiges Handeln aus Verantwortung für kommende Generationen eine wichtige Rolle im Selbstverständnis des Unternehmens. Bei einem Firmenrundgang mit dem langjährigen früheren Mitarbeiter Werner Haas erhielt die Gruppe interessante Einblicke in die Produktion und die betrieblichen Abläufe.

Anschließend führte die Exkursion weiter zu „Land.Luft“ in Leberfing, einem Biolandwirtschaftsprojekt der Lindner Group. Dort stehen Tierwohl und Tierglück sowie  und Nachhaltigkeit im Mittelpunkt. „Geht’s den Tieren gut, geht’s den Menschen auch gut“, lautete die Überzeugung vor Ort. Bei einer Führung mit Siegfried Fußeder erfuhren die Teilnehmenden, wie ein Bauträger zur Biolandwirtschaft kam. Seit 2016 werden dort Schweine und Rinder in ganzjähriger Weidehaltung gehalten. Rund 600 Schweine und 55 Rinder gehören derzeit zum Bestand. Die Mitarbeitenden seien von Anfang an mit großer Begeisterung dabei. Mit einem Augenzwinkern hieß es: „Hier gibt es die glücklichsten und zufriedensten Schweine Deutschlands – wenn nicht sogar der Welt.“

Zum Abschluss ging es weiter zum Schloss Mariakirchen. Auch hier wurde deutlich, wie sehr die Familie Lindner mit ihrer Heimat verbunden ist. Das Wasserschloss aus dem Jahr 1550 – ursprünglich im Besitz der Familie von Closen – wurde mit viel Engagement renoviert. Alte Stallungen verwandelte man in das heutige „Schlossbräu“ mit eigener Brauerei und Biergarten. Die Wurzeln von Hans Lindner in der Gastwirtschaft spielten dabei eine wichtige Rolle.

Eine gemeinsame Einkehr im Schlossbräu rundete die ereignisreiche und informative Exkursion schließlich in geselliger Atmosphäre ab. Die Exkursion zur Lindner Group zeigte eindrucksvoll, dass wirtschaftlicher Erfolg, regionale Verbundenheit und soziale Verantwortung kein Widerspruch sein müssen. Ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie Unternehmenskultur, familiäre Verwurzelung und christlich-soziale Werte gemeinsam Zukunft gestalten können.

 

Inter(+)aktiv

Treten Sie mit uns in Kontakt

Adresse

KAB Diözesanverband Passau e. V.
Domplatz 7
94034 Passau
Telefon: +49 851 393 73 21
Kontakt